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Pflegenotstand

Heute erreichte mich eine anonyme Email aus Thüringen von Udo. Er ist/war Dauernachtwache in einem Pflegeheim und Altenpfleger seit 20 Jahren:

„Lieber grauer Star (Ja, ich mag diesen „Spitznamen“ bei Ihnen, auch wenn Sie ihn wohl nicht mehr gebrauchen),

Mein Name ist Udo, ich bin Altenpfleger seit nunmehr 20 Jahren und arbeite in einem Seniorenheim als Dauernachtwache. Unser Heim in dem ich arbeite, wurde vor 3 Jahren innerhalb der privaten Träger verkauft, da es sich für den vorherigen Träger nicht mehr finanziell lohnte und die negative Presse zu groß geworden war.

Unser neuer Träger begann auch nicht mehr zu tun als der vorherige. Wir haben aktuell 12 offene Stellen für Fachkräfte. Und das für ein Seniorenheim mit fast 170 Betten. Jeder Dienst ist natürlich chronisch unterbesetzt. Der Krankenstand ist hoch und wir überleben momentan nur noch durch die Zeitarbeit, welche uns oftmals „den Arsch rettet“ (Entschuldigung für den Ausdruck). Wir haben zumindest das Glück, dass es eines der wenigen Seniorenheime ist, welches noch keinen Demenzbereich hat.

In der Nacht sind häufig mein Kollege und ich im Einsatz für das komplette Haus. Insgesamt haben mein Kollege und ich zusammen fast 370 Überstunden aufgebaut. Auf Nachfragen ob wir diese Stunden ausbezahlt bekommen oder als Freizeit nehmen dürfen wurden und werden wir immer noch von der PDL und EL vertröstet. Wir beiden Festangestellten gehen mehr als auf dem Zahnfleisch.

Vor kurzem als mein Kollege und ich im Nachtdienst waren, kam es zu zwei Notfällen. Wir waren die ganze Nacht damit beschäftigt, die übliche Routine abzuarbeiten. So gut es möglich ist. Irgendwann gegen 4 Uhr schafften wir es einen Kontrollgang zu beginnen und teilten uns im Heim auf. Ich begann im EG, mein Kollege im 2. Stock. Wir wollten uns bei den Pflegefällen im 1. Stock treffen um dort gemeinsam uns auszuhelfen.

Als mein Kollege im 2. Stock unterwegs war, fand er in einem Bewohnerzimmer einen Bewohner im Bett liegend vor, welcher wohl vor kurzem gestürzt war, sich wieder ins Bett geschleppt hatte und dort nun leblos lag. Im Bett um ihn herum eine Blutlache aus einer Kopfwunde, überall Blut im Zimmer. Er hatte keinen Puls mehr. Mein Kollege startete mit der Wiederbelebung und rief mich zeitgleich über unser internes Telefon an und schaltete den Lautsprecher an, damit ich mithören und anleiten konnte.

Ich rannte so schnell ich konnte vom EG in den 2. Stock über die Treppe. Im 1. Stock bemerkte ich dann, dass dort jemand im Speiseraum auf dem Boden lag, man sah nur zwei Füße von der Tür aus. Natürlich musste ich dort nachschauen und rannte hin. Es lag eine Bewohnerin nach einem Sturz am Wasserspender auf dem Boden. Bei ihr ebenfalls eine Blutlache, da sie unglücklich mit einem Glas gestürzt war und sich dieses beim Sturz wohl vor die Brust gehalten hatte. Überall Splitter und Blut am Körper. Sie hatten ebenfalls keinen Puls mehr. Ich musste hier sofort damit beginnen die Blutung irgendwie zu stillen (Geschirrtücher als Druckverband) und dann auch hier mit der Wiederbelebung beginnen.

So standen wir dann in der Nacht da. Zwei Notfälle. Zwei Leute. Keine Abläufe und Struktur mehr möglich. Ich informierte schnell meinen Kollegen darüber per Lautsprecher, legte auf und informierte den Rettungsdienst. Jeder von uns war mit seinem Notfall dann beschäftigt. Ich schaffte es einen Puls zu bekommen. Legte die Bewohnerin in die stabile Seitenlage. Ich öffnete dem Rettungsdienst die Tür, lotste sie zu meiner Bewohnerin, danach schnell zum Kollegen und half dort aus. Danach wieder runter, den anderen Rettungsdienst reinlassen, die Papiere ausdrucken. Nie in meinem Leben habe ich mich so hilflos und überfordert gefühlt.

Beide wurden ins Krankenhaus gebracht. Wir waren fix und fertig. Wir zitterten und keine Tasse Kaffee oder Zigarette konnte es ändern in dieser Nacht. Es war unser Limit gewesen.

Als wir beide in der nächsten Nacht wieder kamen erfuhren wir, dass es beide Notfälle aus dieser Nacht nicht überlebt hatten. Meine Bewohnerin war auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben, der Bewohner meines Kollegen am Nachmittag.

Natürlich kann man nun sagen, es waren alte Menschen, sie hatten ihr Leben gelebt usw. Aber es belastet uns beide sehr. Wir machen uns Vorwürfe, was wir hätten besser machen können.

Wir sind wütend auf alle die dieses System mit zu verantworten haben und es zu dem gemacht haben, was wir jetzt sehen.

Mein Kollege hat vor 4 Wochen gekündigt, ich werde ihm folgen. Er geht aus der Pflege raus, einen Aushilfsjob hat er gefunden. Ich werde in einem Sanitätshaus anfangen.

Dieses System macht die Leute krank. Es ist unverantwortlich, es ist unmenschlich und kennt keine Gnade.

Danke, dass Sie noch kämpfen und nicht aufgeben.

Grüße 
Udo

Quelle • Facebook • Pflegekräfte in Not • Urheber Text © Stefan Heyde

OHNE WORTE

Sehr geehrter Herr Spahn,

diese Uhr welche sie in Ihren Händen halten gehörte einem Bewohner aus einem Seniorenzentrum irgendwo in Rheinland-Pfalz. Diese Uhr habe ich von der Ehefrau des Bewohners nach seinem Tod erhalten und die Geschichte hinter dieser zerbrochenen Uhr hat mich sehr traurig und nachdenklich gestimmt. Sie war ein Teil, der dazu beigetragen hat mich so intensiv mit dem Pflegenotstand zu beschäftigen und gegen diesen anzukämpfen.

Es handelte sich dabei um einen Mann im Alter von 76 Jahren. Er war noch sehr fit und eigenständig obwohl ihn seine Grunderkrankung, Morbus Parkinson, immer mehr einschränkte und er dadurch auf Hilfe angewiesen war. Die Ehefrau hatte ihren Mann sehr lange, fast 10 Jahre, daheim mit Unterstützung eines ambulanten Dienstes versorgt. Am Ende reichte ihre Kraft jedoch nicht mehr aus und sie musste ihn schweren Herzens in ein Pflegeheim geben. Dort gewöhnte er sich schnell ein und verlor niemals den Humor auf seinem Wohnbereich und hatte Verständnis für die anderen Bewohner, aber auch für die Situation der Pflegekräfte vor Ort. Wenn es möglich war, half er mit und versuchte diese zu entlasten.

An diesem Tag jedoch sollte sich alles verändern.

Der Bewohner wollte kurz vor Mitternacht auf die Toilette gehen und meldete sich per Ruf bei der zuständigen Pflegekraft in der Nacht um deren Unterstützung zu bekommen, da der Weg für ihn alleine zu gefährlich war und er zu schwankend und unsicher auf den Beinen aufgrund des Parkinson war. Die Pflegekraft war in dieser Nacht jedoch mit der Situation auf dem Wohnbereich überfordert, betrat das Zimmer und bat den Bewohner um ein wenig Geduld und schilderte diesem kurz die Situation. In „5 Minuten“ wollte sie wieder da sein.

Der Bewohner wartet und wartete, aber die Pflegekraft kam nicht wieder. So dachte er sich um der Pflegekraft zu helfen, dass er sich selbst auf den Weg macht zur Toilette um diese zu entlasten, denn das hatte ja schon etliche Male vorher auch geklappt. Er lief schwankend zum Bad in seinem Zimmer und suchte nach dem Lichtschalter.

Dabei passierte es. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte. Mühevoll versuchte er sich irgendwo festzuhalten während des Sturzes und schrammte dabei am Heizkörper mit seinem Kopf vorbei, knallte auf das Waschbecken und fiel zu Boden. Er verlor sofort das Bewusstsein.

Die Pflegekraft schaffte es erst um 0:15 Uhr in dieser Nacht das Zimmer des Bewohners aufzusuchen und wollte ihn, wie geplant, zur Toilette begleiten. Als sie das Zimmer betrat fand sie den Bewohner im Bad in einer großen Blutlache mit klaffender Platzwunde und ohne Puls vor. Die Pflegekraft fing sofort mit der Reanimation an, rief den Notarzt und kämpfte um das Leben des Bewohners.

Als der Rettungsdienst eintraf hatte der Bewohner einen sehr flachen Puls, war aber wieder da, jedoch ohne Bewusstsein. Der Rettungsdienst nahm den Bewohner natürlich sofort mit um ihn ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen.

Der Bewohner verstarb in dieser Nacht gegen 03:00 Uhr an einer schweren Hirnblutung.

Er starb, weil er die Pflegekraft, welche in der Nacht mit einem Kollegen zu zweit für über 110 Bewohner zuständig war, entlasten wollte.

Diese Uhr hat mich nun viele Jahre begleitet und wurde für mich zu einem Symbol, sie wurde für mich zur „Uhr der Schande“. Nun ist es an der Zeit diese Uhr weiterzugeben um vielleicht auch Sie zum Nachdenken zu bringen.

Diese Uhr wurde beim Sturz zerstört und blieb genau zu diesem Zeitpunkt mit zersplittertem Glas stehen. Die Uhrzeit zeigt 23:58 Uhr. Die Situation in den Pflegeberufen ist nicht mehr „fünf vor Zwölf“ oder „zwei Minuten vor Zwölf“, es ist schon weit danach.

Es wird Zeit, dass Sie handeln, fernab jedes Parteibuches zum Wohle der Bürger*innen welche einen Lebensabend in Würde und mit der bestmöglichen Versorgung verdient haben. Diese Uhr ist ein Sinnbild, wie schnell jeder von uns ein Teil dieses kranken Gesundheitssystems werden kann.

Falls Sie ein Gespräch wünschen, so können Sie mich natürlich gerne kontaktieren. Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung um Ihnen einen ungeschönten Blick auf die Zustände der Pflegeberufe zu geben.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Heyde

Quelle • Facebook • Pflegekräfte in Not • Urheber Text © Stefan Heyde

DIE WÜRDE DES MENSCHEN SEI UNANTASTBAR!?

Ich habe da mittlerweile eine andere Ansicht. Meine eigene Ansicht! Die Würde ist nur Unantastbar, wenn du Gesund bist! Sobald du auf Hilfe angewiesen bist, ist diese Würde erloschen!
Sind wir mal ehrlich, wir ALLE wollen respektvoll behandelt werden, egal in welchem Alter wir uns befinden. Wir lernen Kindern, wie sie sich zu bedanken haben und das eine Begrüßung was mit Anstand zu tun hat! Wenn wir dann Erwachsen sind, setzen wir das dann alles um (einige zumindest) und dann wirst du ALT und KRANK, bist nicht mehr in der Lage alleine etwas zu essen und über das alleinige mobilisieren, um auf Toilette zu gehen brauchen wir erst recht nicht sprechen! DU BIST EIN PFLEGEFALL.
Und jetzt kommt die erloschene Würde! Es ist egal, ob du einen Menschen vor dir hast, der mit massig Projekten versucht hat, die Welt positiv zu beeinflussen, viel Geld verdient hat, gut abgesichert ist oder eben den "Normalo", der vll. weniger Geld in seinem Leben verdient hat und sich grade so die Grundversicherungen leisten konnte! Ich meine bei dem Beispiel ganz speziell unsere Politiker!

Sind wir mal ehrlich, wenn du auf Hilfe angewiesen bist, weil du in deinem vll. nassen Bett liegst und du es nicht mehr alleine beziehen kannst, dann ist das, ein Wunsch eines jeden Menschen, dass dies schnell überzogen wird!
Doch zählt es unter WÜRDE, dass es teilweise Stunden dauert, diese Arbeit zu erledigen, weil das Personal unterbesetzt ist? Zählt es unter WÜRDE, dass man Menschen bereits nachmittags ins Bett legt, da man sonst aufgrund fehlendem Personal nicht fertig wird?
Zählt es unter WÜRDE, dass man das Anreichen von Essen was zu unserem täglichen Grundbedürfnis zählt, nicht mehr schafft aufgrund von Personalmangel und Zeitdruck? Ist das die WÜRDE, die UNANTASTBAR sei? 
Ich lebe also ein dreiviertel Leben, so Gott will selbständig und dann, wenn ich mein ganzes Leben gearbeitet habe und meine letzten Jahre in WÜRDE verbringen möchte, weil ich auch körperlich nicht mehr kann, dann zähle ich zur Randgesellschaft, die auf Hilfe angewiesen sei & meine Krankenkasse in der ich mein ganzes Leben eingezahlt habe, interessiert es primär nur was sie für meinen Pflegegrad zuzahlen soll und ob es überhaupt genehmigt wird? 
Ich habe mich damit abgefunden über die politischen Situationen in Deutschland zu diskutieren, ich kann sie nicht ändern! Doch ich kriege das kotzen, wenn ich an jeden von uns denke, wie er behandelt wird, wenn er krank oder alt wird! Eines der reichsten Länder der Welt, verhält sich zum Thema Krankheiten und würdevolles Leben im Alter absolut hässlich und Arm!

Quelle • Facebook • Pflegeberuf • Urheber Text © DenaMusik

STERBEANZEIGE UND DIE AUFFORDERUNG ZU HANDELN


  • Es ist eine Schande, dass es sich seit Monaten in den Medien alles nur um den Brexit dreht.
  • Es ist eine Schande, dass sich die Politik nicht ausreichend um Wichtigeres kümmert.
  • Es ist eine Schande, dass es die Wähler der Politiker sind, die auf der Strecke bleiben.
  • Es ist eine Schande, dass die Menschen mit einer leisen Stimme kein Gehör finden, denn es sind die kranken und schwachen Menschen unserer Gesellschaft.

Da frage ich mich, was läuft in diesem Staat schief? Ich frage mich, was machen all die tollen politischen Berater, Analytiker den lieben langen Tag und warum verbreiten unsere gewählten Politiker nur Phrasen ohne zu erkennen, dass unser Gesundheitssystem bereits am Kollabieren ist?
Genau vor einem Jahr (März 2018) habe ich einen offenen Brief an unseren Hoffnungsträger für Gesundheitsfragen Herr Spahn geschrieben. Es gab eine kurze und knappe Antwort der Pressestelle, die weniger wert war als das Papier auf dem es stand. Ich stelle mir die Frage, ist es gewollt, dass sich keiner aktiv mit den Problemen in der Pflege auseinandersetzt?

Ist es gewollt, dass die Krankenkassen als Träger des öffentlichen Rechts ihren Versicherten nicht mehr gerecht werden, obwohl ihre Kassen voll sind? Warum bestehen bis heute bei der Bezahlung der Pflegekräfte bundesweit so drastische Unterschiede? Von allen Seiten wird davon gesprochen, dass jeder Unternehmer mehr für seine Mitarbeiter tun soll. Sehr gerne, doch ich frage mich, WIE?

Die Unternehmer des Mittelstandes im Gesundheitswesen müssen unter der Bodenfliese vor den Krankenkassen kriechen, um ihre Pflegesätze minimalistisch erhöhen zu können. Die Unternehmer sind Bittsteller in einem Bereich geworden, in dem es eine Schande ist, um zu erbetteln, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, um eine angemessene Entlohnung für ihre Arbeit zu erhalten.
Man kann nicht einen Mercedes fahren und nur einen Trabant bezahlen wollen. 
Kleines Beispiel: Eine Körperpflege bei einem Menschen wird mit ca. 10,00€ entlohnt, eine Autowäsche mit einfacher Innenreinigung kostet ca. 28,00€, eine Infusion mit Flüssigkeit inkl. Überwachung darf mit ca. 10,00€ abgerechnet werden. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und vernachlässigt die Schwächsten seiner Gesellschaft.

Das klingt nicht nur dramatisch, sondern ist es auch. Was soll noch alles passieren? Die Pflegedienste hauen sich die Köpfe beim Kampf um das Pflegepersonal ein. Die Leiharbeiterfirmen legen Stundenlöhne für Fachkräfte fest, die noch nicht einmal aus der Not eines Unternehmens heraus bezahlt werden können. Andere Pflegedienste geben wiederum komplett auf oder erbringen einfach nur noch minimalistische Leistungen.
Vor einem Jahr redeten wir alle von einem Pflegenotstand. Heute ist es der Tod der Pflege. Sie stirbt unaufhörlich und keiner, der nicht selbst betroffen ist, hört die Sterbenden, die um das Leben kämpfen. Dabei ist es vollkommen egal, ob es der Pflegehelfer, die Pflegefachkraft, die Ergo, die Physio, die Logo, die Krankenschwester oder auch der Arzt in der Klinik oder der Hausarzt ist. Sie geben jeden Tag ihr Bestes mit dem Wissen, jeden Tag gegen den Strom schwimmen zu müssen.
Wir wundern uns, warum nichts passiert, wir wundern uns, warum keiner mehr in der Pflege an der Basis arbeiten möchte, wir wundern uns, warum die geforderte Qualität und das Recht eines jeden Pflegebedürftigen nicht mehr gehalten werden kann.
Weil von politischer Seite geschlafen wurde und immer noch geschlafen wird. Die Politik und die Krankenkassen sind gefordert, und zwar jetzt und nicht erst morgen: Macht eure Arbeit so wie es von jedem anderen auch erwartet wird!

Hört auf, uns mit Phrasen zu überschwemmen, hört endlich auf, die Pflege zu gängeln und hört auf, von den Fachkräften aus dem Ausland zu reden! Zum einen werden diese in ihren eigenen Ländern benötigt, zum anderen werden sie nur schwer ihre Aufgaben im Rahmen der Dokumentationspflicht nach den Vorgaben der Krankenkassen erfüllen können. Ich entschuldige mich nicht dafür, eine Sache kritisch zu betrachten. Ich bin nicht rechts, wenn ich etwas kritisch äußere. Wir haben es im Unternehmen mit ausländischen Mitarbeitern probiert und es hat nicht funktioniert. Wir haben genug Ressourcen im eigenen Land. Sie müssen nur aktiv und vor allem positiv motiviert werden. Dazu gehören nicht die Sanktionierungen gegen Arbeitsunwillige zu reduzieren, um das nicht oder wenig Arbeiten zu fördern.

Wir aus der Pflege sind uns unserer Verantwortung bewusst. Doch als mittelständiges Unternehmen haben wir nicht nur eine Verantwortung gegenüber den zu Pflegenden, sondern auch gegenüber unseren Mitarbeitern.
Wenn sich politisch nichts ändert, gefährden wir auf Dauer nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihre Einsatzbereitschaft. Das dürfen und werden wir nicht einfach so hinnehmen.
Die Pflege ist ein toller Beruf doch mit anzusehen wie etwas stirbt was man liebt ist ein schreckliches Gefühl.

Quelle: Internet • Facebook • Intensivpflege / Palliativpflege Schwerin • Urheber Text © Jens Handke, Pflegedienstleitung

Pflege als Ware ...

Sind Senioren rechtlos? Sind sie in unserem Gesundheitssystem ausgeliefert und werden sie abgezockt? Die Netzfrauen haben sich diesen Fragen angenommen ... 

Altenheim oder Gefängnis?

Vor einiger Zeit bin ich auf diesen Artikel bei den Netzfrauen gestoßen. In Japan ist es schon Realität geworden, dass Senioren in Gefängnis gehen ...

Einen Schritt zulegen ... oder so ...

Habt ihr schon mal bewusst auf die Länge der Ampelphasen geachtet? 

Ich meine die für Fußgänger?

Viele sind sehr kurz geschaltet und reichen oftmals kaum aus, damit Menschen mit Beeinträchtigung sicher die Straße überqueren können.

Anstatt die Ampelphasen zu verlängern und den Verkehr den Menschen anzupassen, sollen sich die Menschen dem Verkehr anpassen. Das ist die Auffassung unseres Verkehrsministers Andreas Scheuer (CSU). Damit Senioren lernen, schneller über die Straße zu kommen, will er sie zu einem Fitnesstraining schicken. Wer jetzt glaubt, dass das ein Aprilscherz ist, täuscht sich. 

Wer läuft schon freiwillig mit Rollator oder anderen Hilfsmittel? Und wie will man den Allgemeinzustand eines älteren Menschen per Fitness verändern? Soll man sich mit 80 mit dem Rollator auf ein Laufband stellen und trainieren schneller zu gehen? 

Wie hohl muss man eigentlich sein, um die Lösung eines Problems so lösen zu wollen ... ?

Fazit: Ohne Worte !!! Einfach "christlich sozial" ...

Pflegeversicherung

Seit Jahren wissen wir, wissen es die Verantwortlichen, dass wir mit wehenden Fahnen in einen Pflegenotstand steuern. 

Ich wiederhole mich, aber alte und kranke Menschen haben in unserer Gesellschaft keine Lobby. Leider vergisst jeder, dass er ganz schnell in die Situation kommen kann, in der er Pflege benötigt. 

Wie fahrlässig ist das eigentlich, mit Menschenleben so asozial umzugehen?

Die Antwort vom Team Spahn zeigt, wie mit unseren Sorgen und Ängsten umgegangen wird ... 

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Sehr geehrter Herr Spahn,
ich habe 25 Jahre auf einer Intensivstation in Bayern gearbeitet, und da hatten wir den Personalschlüssel von 1:2. Nur dort mit diesem Personalschlüssel konnte ich die Sicherheit der Patienten gewährleisten. Ich bin vor 4 Jahren nach Berlin umgezogen, und musste plötzlich die Verantwortung für 4 Patienten auf einer Intensivstation übernehmen. Nach einem Jahr, indem ich mehrmals auf die Missstände hingewiesen habe, habe ich gekündigt, da ich jedes Mal mit Panik zur Arbeit gegangen bin, dass ich Patienten gefährde. Jeden Tag wird in Deutschland auf Grund des Personalschlüssels mit dem Leben der Patienten mutwillig gespielt, und diejenigen die noch vor Ort sind, funktionieren oder kündigen. Jetzt sind Sie eingeknickt und haben den Schlüssel von 1:2 auf 1:2,5 gesenkt. Das betroffene Pflegepersonal ist eigentlich nicht mehr haftbar zu machen, wenn etwas passiert, zu lange wurde schon auf die Missstände aufmerksam gemacht, die Angehörigen müssten die Politik verklagen. Herr Spahn, Sie wollten neue Pflegekräfte gewinnen, was wichtig ist, aber Sie müssen schnellstmöglich für diejenigen etwas machen, die im Berufsleben stehen, damit diese nicht abwandern. Ich hatte mich jetzt zwei Jahre als Pflegekraft im Hospiz "erholt", denn dort gibt es einen guten Personalschlüssel, sodass eine qualitativ gute Betreuung der Kranken möglich ist. Nun aber bin ich wieder ins Krankenhausleben eingetaucht, weil ich gerne auf einer Palliativstation arbeiten wollte, und bin für 9 Palliativpatienten zuständig, weil das Haus nicht ständig Leasingkräfte engagieren möchte, da es zu teuer wird. Wird eine Pflegekraft krank, wird die Station eben von einer Pflegekraft versorgt, anstatt von zwei. Jeden Tag überlege ich, ob ich kündigen soll, aber was wäre die Alternative. Als ich anfangs nach Berlin gezogen bin, fragte ich meine Hausärztin, welche Klinik sie mir empfehlen könnte, sie antwortete "keine, zu mir kommen die Pflegekräfte, um sich krank schreiben zu lassen, weil sie chronisch überfordert sind". Damals dachte ich, sie übertreibt, aber leider ist das die Realität, denn der Betrieb wird auf wenigen Schultern aufrecht erhalten und so ist es vorprogrammiert, dass auch diese krank werden - ein Teufelskreislauf, der nur zu durchbrechen ist mit mehr Personal. Sie müssen jetzt agieren, bevor die nächsten abspringen. Ich habe inzwischen Angst selbst mal Patient zu sein...........
Mit freundlichen Grüßen
Christine Eidenschink

Und das war die Antwort, ich möchte behaupten, diese wurde maschinell erstellt.........

Hallo christine,
wir alle wollen in Würde altern. So wie wir es uns auch für unsere Eltern und Großeltern wünschen. Für Jens Spahn ist es wichtig, die Bedingungen für Pflegekräfte und pflegende Angehörige spürbar zu verbessern.

"Bessere Pflege kostet. Wir haben in den vergangenen Jahren die Leistungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige zu Hause ausgebaut. In den kommenden Monaten wollen wir die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern. Das muss uns als Gesellschaft etwas wert sein. Gute Pflege braucht unsere Unterstützung."

Das Bundeskabinett hat daher heute beschlossen, den Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,5% zu erhöhen. Was denkst Du - was ist Dir und Deiner Familie gute Pflege wert? Wir freuen uns, wenn Du mitdiskutierst:

Jetzt mitdiskutieren!

Herzliche Grüße

Dein Team Spahn

Quelle: Facebook • Urheber Text © Christine Eidenschink

Spahn

Was soll man dazu sagen?

Nichts!

Politik findet nicht mehr auf Augenhöhe statt. Der Bezug zur Realität ist völlig abhanden gekommen. In Facebook gab es einen Aufruf, Herrn Spahn die bereits vorhandenen Überstunden zu mailen ...

Rente Ab 70

... kein Kommentar ...

Das Kann Eben Nicht Jeder ...

[ HIER ] geht es zu einem Artikel der FAZ. Er ist schon ein paar Jahre alt, zeigt aber, dass sich in der Pflege nichts geändert hat.

Ich kann mich immer nur wiederholen ...

Alte und kranke Menschen haben in unserer Gesellschaft keine Lobby !!!

Pflegenotstand

Gestern wurde wieder einmal über den Pflegenotstand gesprochen ...

[ HIER ] geht es zur Videothek ...

Ein Trauerspiel ...

Auch eine Form der Machtausübung und der Gewaltanwendung

Patientin 46 Jahre, heftigste MS, Rollstuhlabhängig, 24 Stunden auf Hilfe anderer angewiesen.

Kommt aus England, ist hier weil ihr Mann hier nen gut bezahlten Job hat.

Einzige Kontaktmöglichkeit zu ihren Eltern und Geschwister in England durch ihr Smartphone.

Vor ein paar Tagen fragte sie mich, ob ihr Handy geladen ist.
Handy hing am Kabel aber Kabel kaputt.

Sie fragte mich ob ich ihr ein neues Ladekabel besorgen kann.
Ich zu ihr: aber dein Mann hat doch auch ein iPhone, warum sie das nicht nimmt.
Sie: er gibt es mir nicht.
Ich: aha warum?
Sie: er sagt weil ich kein liebenswerter Mensch bin.

Ich find das so dermaßen schäbig einem abhängigen Menschen die letzte Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt zu nehmen.

Sie wollte selbst mit dem Bus ins Einkaufszentrum fahren und sich eines kaufen, Problem sie selbst hat keinen einzigen Cent. Das Geld hat der Ehemann.

Hab ihn natürlich drauf angesprochen, heftige Diskussion. 
Bin mal gespannt wann wir da rausfliegen, aber vorher kauf ich ihr noch das Ladekabel.

Bei solchen Angehörigen könnte ich so kotzen.

Ach ja, vor ca 3 Wochen hatte sie ausgeprägten Herpes mit Augenbeteiligung, sprich mit Gefahr der Erblindung des Auges. 
Ich ihn aufgeklärt usw, er meinte nur er hat jetzt keine Zeit um sich für sie ums Krankenhaus zu kümmern.
Ich musste tatsächlich mit der Polizei drohen dass er die Krankenhauseinweisung managt.

Quelle Internet • Facebook • Pflege Aktivisten / Veränderungen in allen Sozialen Bereichen • Urheber Text © Robert Gruber

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Solche und andere Situationen erlebe ich sehr oft in meinem Berufsalltag. Angehörige, die ihre Wut und ihren Frust an hilflosen Pflegebedürftigen auslassen. Oft sind es Ehepartner, die sich auf diese Art für eine kaputte Beziehung rächen. Auch Kinder stehen da in ihrem Verhalten den Eltern gegenüber in nichts nach ...
Was kann man dagegen machen?
Nichts?
Solange nichts offensichtlich nachweisbar und beweisbar ist, schreitet bei uns keine Behörde ein !!!

Genau ... !!!

Quelle Facebook • © Wir pflegen NRW e.V. - Stimme der pflegenden Angehörigen

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Wie oft habe ich diesen Spruch schon gehört ... ? Er trifft auf alle Bereiche des Lebens zu, nicht nur in der Pflege. Leider!

Rücksichtslos ...

Gestern war ich dienstlich mit einer älteren Dame unterwegs. 

Sie war vor Monaten gestürzt, was einen Krankenhausaufenthalt und eine Reha mit sich brachte. 

Daher benötigt sie in ihrem Alltag noch entsprechende Unterstützung.

Beim Verlassen der Apotheke wurden wir von einem Anwohner -einem älteren Semester - regelrecht angepöbelt, weil wir - seiner Meinung nach - zu langsam zum Auto gingen. 
*Solche Leute gehören nicht auf die Straße*, meinte er.

Beim Verlassen des Parkplatzes musste ich dann auch noch warten, um mich in den fließenden Verkehr einzufädeln. Obwohl ich ihn nicht einmal ansatzweise behinderte und er nur warten musste, quetschte er sich - ohne Rücksicht auf Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer - hinter meinem PKW vorbei mit seinem Auto auf die Fahrbahn ... 

Fazit: Rücksichtslosigkeit und Unverschämtheit zieht sich durch alle Altersgruppen !!!

Zum Glück wird es eines Tages auch diesen Rüpel treffen und er wird auf Hilfe angewiesen sein. Da bin ich mir mehr als sicher !!!

... zu teuer

Nach Abzug des Anteils der Pflegeversicherung verblieb ein selbst zu zahlender Betrag in Höhe von 1,68 €.

Dies war der Anlass sich bei uns zu beschweren ... wir seien zu teuer ...

Liebe Frau XYZ,

wir kommen mehrere Stunden pro Woche zu ihrem Vater. Er freut sich sehr auf uns, weil wir ein wenig Abwechslung in seinen Alltag bringen. 

Wir helfen ihm im Haushalt, unterstützen ihn beim Einkauf und wenn er mag, gehen wir mit ihm spazieren oder Kaffee trinken. So nimmt er -wenn auch begrenzt und eingeschränkt- noch am Leben teil. 

Wir hören ihm gerne zu, wenn er von früher erzählt. 

Wir lachen mit ihm und motivieren ihn, wenn es ihm mal nicht so gut geht.

Jetzt hat er Angst, dass Sie mit ihm schimpfen, weil er will, dass wir nach wie vor zu ihm kommen, auch wenn er 1,68 € aus seiner Tasche drauflegen muss.

1,68 € pro Monat, das macht 20,16 € jährlich, die *ihr* Erbe schmälern ...

Sie kommen ihn nur ab und an besuchen.

Sie helfen ihm nicht im Haushalt.

Sie können seine Geschichten aus der Vergangenheit nicht mehr hören.

Überlegen Sie doch einfach mal vorher, bevor Sie uns als Abzocker bezeichnen.

Woche der Demenz & Fall Festival

Vom 19.09. bis 25.09.2016 findet die *Woche der Demenz* statt.

Am 21.09.2016 ist der Welt-Alzheimertag.

Man möchte die Menschen für die Krankheit sensibilisieren und mehr Verständnis für Erkrankte und deren Angehörige erreichen.

Weitere Infos dazu findet ihr unter www.woche-der-demenz.de

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fall © sylvia • sro 2016 • amy stoffel • fall festival
***fall festival***
by amy stoffel

Bewegtes Lagern

Am Dienstag war mal wieder eine Fortbildung angesagt. Das Thema lautete * Bewegen und Positionieren*.

Früher nannte man es *lagern*, jetzt positionieren ... es geht ja auch um Menschen ...

Nachhaltig beeindruckt waren wir von einer Übung, mit der das Seminar begann. Wir mussten 10 Minuten auf dem Rücken liegend aushalten - ohne eine Bewegung, ohne sich kratzen zu dürfen. Wie lange können 10 Minuten sein !!!! Und ganz klar, dass es irgendwo anfängt zu jucken !!!!

Viele unserer Patienten sind genau in dieser Situation, allerdings 24 Stunden, 365 Tage ... 

Und nicht nur im Bett kann es unangenehm werden. Wer sitzt schon gerne bewegungsunfähig stundenlang in einem Stuhl?

Wer Angehörige pflegt oder sich selbst bequemer *betten* möchte, kann mehr auf www.bewegtes-lagern.com nachlesen.

Euch allen wünsche ich einen guten Start in die letzte Augustwoche ... !!!

Für die Angehörigen ...

Diese Woche war mein Tourenplan mit einigen, für mich *neuen*, Kunden gespickt.

  • Eine alleinstehende Dame (Ende 80), für die ich einkaufen gehen sollte. Zuerst skeptisch und sehr zurückhaltend, reagierte sie auf meinen Vorschlag, gemeinsam zum Supermarkt und dem Gemüsehändler zu fahren. *Sie brauche halt immer so lange* ... ich blieb allerdings hartnäckig. Der Einkauf verlief ganz unkompliziert und die Dame blühte richtig auf. Sie traf Verwandte und Bekannte im Supermarkt und erzählte ganz stolz, dass ich sie zum Einkaufen mitgenommen habe. Und sie entdeckte Dinge, an die sie nicht gedacht und deshalb auch nicht auf den Einkaufszettel geschrieben hatte. Wir kennen das alle - oder nicht? Ein kleines Stückchen Lebensqualität und das Gefühl der Selbstbestimmung. *Meinen Kindern war ich immer zu langsam und deshalb haben sie mir alles mitgebracht* ... 

  • Ein Ehepaar (86/90 Jahre) ... sie begleitete ich beim Spaziergang, ihn bei den Einkäufen. Die alte Dame ist stark dement. Die Strecke ihres Spazierweges kennt sie allerdings aus dem *ff* und sie suchte das Gespräch ... *wo ich herkomme* wollte sie wissen und *ob ich diese oder jene Pflanze kennen würde.* Sie bemerkte auch, dass immer mehr Wolken aufzogen und man dann doch lieber schnell nach Hause gehen sollte. Ihr Ehemann ist aufgrund ihres Zustandes jetzt *Hausmann*. Er muss Dinge tun, die für ihn früher fremd waren ... einkaufen, kochen, putzen, waschen ... Die Kinder schauen wöchentlich vorbei und er spielt ihnen dann die *heile* Welt vor. Er verheimlicht ihnen, dass seine Frau sehr starke Schluckbeschwerden hat. Eine Scheibe Brot zu essen dauert fast 1 Stunde. Das Mittagessen wird püriert und trotzdem schluckt sie auch dann sehr schlecht und sammelt alles in den Backen ... 

  • Ein Ehepaar (Mitte 80), die aufgrund diverser Einschränkungen (Arthritis, Wirbelsäulenversteifung) eine Unterstützung im Haushalt benötigen. *Wir haben lange überlegt, ob wir um Hilfe bitten. Unsere Kinder meinten, dass wir doch auch so gut zurecht kommen.* *Ich habe für meinen Mann und meine Kinder die Karriere geopfert, früher hatte man ja als Frau keine Wahl. Und dann waren noch meine Mutter und Schwiegermutter, die ich pflegen musste ...*
Fazit:

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die die Lebensqualität erhöhen und das Gefühl vermitteln, noch am Leben teilnehmen zu können.

Manchmal reicht es schon, nur zu beobachten und zuzuhören oder mal unangemeldet vor der Tür zu stehen.

Es fällt schwer, seine Eltern alt, schwach und hilfsbedürftig zu sehen. Viele können auch nicht helfen und das ist keine Schande. Dafür sind wir ja da ...

Einfach nur lesen und sacken lassen ...

Gerade wieder wurde ich mit dieser unsäglichen Geschichte vom Kreuzfahrtschiff, das viel komfortabler und preiswerter sei als ein Pflegeheim, konfrontiert. Diesmal langte es mir.

Das ist meine Antwort:
Ich kenne den Text und muss sagen, dass er einen Nerv bei mir trifft, der gleichzeitig Blutdruck, Magensäureproduktion und Aggressionszentrum hochfährt. 

Auf dem Kreuzfahrtschiff dürfte kaum jemand sein, der die Passagiere wäscht, anzieht, ihnen den Hintern wischt, den Kot aus dem Darm räumt, ihr Erbrochenes wegwischt, sich beißen, kratzen, schlagen, anspucken, befummeln lässt, der auch dann noch freundlich und gelassen bleibt, wenn die ganze Nacht mehrere Leute durch die Flure und Zimmer laufen, laut nach ihrer Mama rufen und andere am Schlafen hindern, die ihre Wut darüber wiederum am Personal auslassen. Die lächeln und selbstverständlich keinerlei Zeichen von Ekel erkennen lassen, wenn der Kunde gerade seinen eigenen Kot verspeist und seine Zahnprothesen damit bombenfest zementiert hat. Die aus nichts mitten in der Nacht eine warme Mahlzeit zaubern, weil der Kunde um zwei Uhr früh der Meinung ist, er komme gerade aus der Schule und müsse jetzt Mittag essen. Die mit fundiertem medizinischen und psychologischen Wissen in Sekundenbruchteilen entscheiden können, ob das verzogene Gesicht auf eine lebensbedrohliche Ursache zurückgeht oder derjenige nur die zweite Trotzphase durchlebt. Der Seelentröster, Freund, Mama, Oma, Tochter, Prügelknabe ist, manchmal auch alles zugleich, und sich dafür noch lächelnd bedankt, dafür trotz fundierter Aus- und Fortbildung weniger als 2000 Euro brutto mitnimmt und selbst einmal, bedingt durch Altersarmut, im Mehrbettzimmer enden wird, wo ihm dann drei andere beim Verrichten seiner Notdurft zusehen. 
Alle jammern über die Pflegekosten, über die geldgierigen Pflegekräfte, die allerdings oft genug unbezahlte Überstunden leisten, da das System sonst schon lange zusammengebrochen wäre. Diesen Job allerdings selbst auszuüben, lehnen die meisten als Zumutung ab, selbst bei den eigenen Angehörigen. Die bringen sie dann ins Heim, wo sie ihr schlechtes Gewissen dadurch kompensieren, dass sie unerfüllbare Forderungen an die Pflegekräfte stellen und ihnen täglich in äußerst borniertem Ton erklären, wie diese ihren Beruf auszuüben haben.

Urheber Text © Sanna Templer • Pflege Aktivisten / Veränderungen in allen Sozialen Bereichen